




Heute hat ein Termin der freien Kulturszene ("kartell") mit Bürgermeister Dobusch und Finanzstadtrat Mayr stattgefunden. Seitens PANGEA war Nicole Honeck mit dabei. Es gibt Gutes zu berichten: Laut Stadt Linz handelt es sich bei der am Montag durch die Verwaltung mitgeteilten Streichung der Jahresförderung von PANGEA in der Höhe von 10.000 Euro um ein - wörtlich - "Missverständnis". PANGEA bekommt diese Basisförderung und kann damit erst einmal so weitermachen wie bisher und positiv ins Jahr 2012 blicken. Jippie!!!!!
Was da wirklich genau passiert ist, wissen wir auch nicht so genau. Aber jedenfalls freuen wir uns, dass das, was am Montag so definitiv geklungen hat, am Freitag nun eine positive Wende genommen hat. Wir werden auch unsere Energien nicht in etwaige diesbezügliche Spekulationen stecken, sondern lieber in die Aktivitäten der interkulturellen Medienwerkstatt. Da gibts genug zu tun! Es geht wieder aufwärts!
Heute war auch zu vernehmen, dass sich auch bei anderen Intitiativen in prekärer Lage in der Stadt Linz erste positive Entwicklungen ergeben. Und dass Kulturpolitik jedenfalls endlich auch wieder stärker und bewusster wahrgenommen werden soll als aktives Handlungsfeld der Stadt Linz bzw. der SPÖ. Das freut uns sehr und macht uns hoffnungsfroh, denn seit es im Bereich der Integration da mehr aktives politisches Handeln gibt, hat sich auf Stadtebene einiges Gutes weiterentwickelt. Das selbst dort, wo eigentlich die Rahmenbedingungen z.B. durch die Politik des Bundes, schwierig sind. Aber da gibt es natürlich noch viel zu tun. Einen positiven "Drive" braucht es auch in der Kultur- und Medienpolitik. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel das Prozedere der Förderverfahren: Denn das diese Geschichte von PANGEA im November, fast am Ende des Jahres, gelaufen ist, sollte stutzig machen und wir wissen, dass es bei anderen leider auch oft "ewig" dauert und viel Energie verschleißt bis irgendwas von der Stadt Linz zu erfahren ist.
Was aber heute noch ansteht ist das Danke. Und zwar ein RIESENGROSSES DANKE. Denn trotz aller Panik, dass wir uns das Büro nicht mehr leisten können oder MitarbeiterInnen kündigen müssen, war es schön, diese Woche viel Solidarität zu erfahren und von vielen zu hören, dass sie die Arbeit von PANGEA wertschätzen. Danke ans "kartell", an die KUPF, an Thomas Diesenreiter, an Daniel Friesenecker, an Oliver Jagosch und überhaupt Radio FRO. Danke an die Grünen Linz für die sofortige Bereitschaft mit uns gemeinsam zu erkunden, was da los ist. Danke @all für viele ermutigende Rückmeldungen!
PANGEA - Interkulturelle Medienwerkstatt
PS: Die Blogparade von Daniel zur Frage, was der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen würde, läuft bis Weihnachten. Eine gute Gelegenheit in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, was an zivilgesellschaftlichen Initiativen so wichtig ist!
In der interkulturelle Medienwerkstatt PANGEA bekommen junge MigrantInnen freien Internetzugang, lernen einen kompetenten, selbstbestimmten Umgang mit dem Internet und anderen Medien und finden aktive Beteiligungsmöglichkeiten. Das ist nun durch die Streichung der Förderung durch die Stadt Linz massiv in Frage gestellt.
Die interkulturelle Medienwerkstatt PANGEA hat am 21. November 2011 erfahren, dass die seit 2006 bestehende Förderung der Stadt Linz nicht mehr weitergeführt wird. Bisher hat PANGEA 10.000 Euro unter dem Titel “Integration” von der Stadt Linz erhalten. Darüberhinaus gibt es eine Jahresförderung von nur 1.350 Euro aus dem Kulturressort der Stadt Linz.
Jetzt, im November, von der Streichung dieser Förderung der Stadt Linz zu erfahren, heißt natürlich, dass die entsprechenden Ausgaben größtenteils schon getätigt wurden. Uns ist völlig unverständlich, wie die Stadt Linz derart fahrlässig mit ihren PartnerInnen aus der Zivilgesellschaft umgehen kann, die - gemeinsam gesehen - massiv Anteil an der Attraktivität und Lebendigkeit unserer Stadt haben.
Weitere Fördergelder von PANGEA für den laufenden Betrieb kommen vor allem aus dem Sozialressort des Landes Oberösterreich, in kleinerem Umfang aus dem Kultur- und Jugendbereich und vom Bund. Schon bisher konnten mit den öffentlichen Förderungen für PANGEA nur die allernotwendigsten Ausgaben gedeckt werden (Miete, Betriebskosten, Gehälter der ohnehin sehr schlecht bezahlten Angestellten). Ohne Raum kann es keinen sinnvollen Betrieb der Medienwerkstatt geben und ohne qualifizierte und engagierte MitarbeiterInnen ist ein laufender Betrieb mit fixen Öffnungszeiten und Verlässlichkeit für die NutzerInnen nicht aufrechtzuerhalten. In der Arbeit von PANGEA geschieht sowieso schon sehr viel ehrenamtlich. Mit höheren Förderungen anderer Stellen ist realistisch nicht zu rechnen.
Auch die erfolgreiche und vielfach preisgekrönte Projektarbeit von PANGEA ist durch die Streichung dieser Basisförderung in Frage gestellt, weil ohne einer stabilen Basis, die der lebendige und offenen Zugang in der Medienwerkstatt darstellt, viele Aktivitäten nicht oder sehr schwer möglich sind oder an der eigentlichen Zielgruppe vorbei gehen würden.
PANGEA bietet seit 2005 jungen MigrantInnen, darunter vielen AsylwerberInnen, freien Internetzugang und vermittelt dabei niederschwellig Medienkompetenz. MedienpädagogInnen stehen während der Öffnungszeiten der Medienwerkstatt für Fragen und alle Anliegen zur Verfügung. Gerade für MigrantInnen, die erst sehr kurz in Österreich sind, ist dieses Angebot essentiell, weil Email und Social Media oft die einzige Möglichkeit sind, Kontakte mit dem Herkunftsland zu halten und hier in Österreich erste Freundschaften zu schließen. Die jungen MigrantInnen, die zu PANGEA kommen, sind keine Kids mit eigenem Laptop, iPhone und iPad, sondern sie sind aufgrund ihrer sozialen Situation darauf verwiesen, dass es Vereine wie PANGEA gibt, die überhaupt einen Zugang zu Internet-Infrastrukturen schaffen.
Die Medienwerkstatt von PANGEA ist in dieser Form einmalig. Die Computer in der Medienwerkstatt wurden woanders ausrangiert und es wird freie Software eingesetzt. In gemeinsamen Aktivitäten und Projekten bei PANGEA haben junge Menschen die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen und sich dabei wichtige Kompetenzen zu erwerben: am Computer, im Internet, beim Spracherwerb, beim Zurechtfinden in Österreich und in der Stadt Linz. Die Basis für gesellschaftliche Beteiligung! Die Arbeit von PANGEA wurde in den letzten Jahren vielfach ausgezeichnet. PANGEA ist als Verein organisiert, nicht-kommerziell, politisch, aber parteipolitisch völlig unabhängig.
Seit 2006 PANGEA erhielt jährlich 10.000 Euro Förderung der Stadt Linz unter dem Titel “Integration”, es gab seitdem keine Erhöhung (Inflationsanpassung) oder Kürzung. Zusätzlich gab es als Basisförderung unterschiedliche hohe Beträge aus dem Kulturbereich, die aber von Jahr zu Jahr gesunken sind.
Die Stadt Linz bekennt sich in vielfacher Weise zu aktiven Schritten der Integration von MigrantInnen und nennt sich selbst - beispielweise im aktuellen Prozeß für einen neuen Kulturentwicklungsplan - Kultur- und Medienstadt.
Ist das alles nur ein Label ohne Inhalt? Wir von PANGEA können gar nicht anderes, als uns das zu fragen.
Nicht nur, weil unsere eigene Arbeit durch die Streichung der Förderung massiv bedroht ist, sondern auch, weil wir wissen, dass wir nicht die einzige zivilgesellschaftliche Initiative sind, die von Kürzungen betroffen ist bzw. sowieso nichts oder lächerlich geringe Beträge bekommt. Die freie Kulturszene in Linz hat sich dazu gemeinsam unter dem Titel “Linz verendet” unlängst zu Wort gemeldet (PDF) und die allgemeine Tendenz des “Kaputtsparens” aufgezeigt.
Wir haben am 23. November 2011 Kontakt mit den politisch Verantwortlichen der Stadt Linz aufgenommen, um eine Stellungnahme ersucht und fordern:
Darüberhinaus schließen wir uns den Forderungen der freien Kulturszene in Linz vollinhaltlich an und fordern insbesondere auch in Zeiten, wo die Finanzsituation der Kommunen immer prekärer wird, eine Schwerpunktsetzung für die Menschen in dieser Stadt und nicht für Prestigeprojekte. Egal, ob es um Kultur, Medien, Integration, Soziales oder andere Bereiche geht.
Wenn keine positiven Schritte seitens der Stadt Linz erreicht werden können, kann das Angebot der Medienwerkstatt nicht mehr aufrecht erhalten werden. MitarbeiterInnen müssten gekündigt werden oder das Büro aufgegeben werden. Damit ist der ganze Verein in Frage gestellt.
PANGEA - Interkulturelle Medienwerkstatt